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Informationen zur Massentierhaltung

Industrielle Legehennenhaltung

Rund 50 Millionen Legehennen werden jährlich in Deutschland gehalten, die meisten von ihnen in industriellen Großbetrieben mit einem Bestand von mehr als 100.000 Tieren. Über 62 % der Legehennen fristen ihr Dasein noch in der Käfighaltung (Stand: Dezember 2008). In 4-8 Etagen reihen sich in den Legebatterien die Käfige übereinander.

In einen Käfig werden 4-5 Legehennen auf engstem Raum zusammengepfercht. Weniger als die Fläche eines DIN-4-Blattes steht hier jeder einzelnen Henne zur Verfügung. Die Versorgung mit Futter und Wasser erfolgt vollautomatisiert, ebenso wie die Entnahme der Eier und der Abtransport des Kotes. Durchschnittlich ein Jahr leben die Hühner in den Käfigbatterien. In dieser Zeit legen sie 250 - 300 Eier. Anschließend werden sie als Suppenhühner verkauft.

Kornhühner

Unter natürlichen Bedingungen verfügen Hühner über einen fest strukturierten Tagesablauf und ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Bei Sonnenaufgang beginnt ihr Tag mit putzen, anschließend begeben sie sich auf die Suche nach Futter. Die Eiablage findet vormittags an einem geschützten Nistplatz statt. Mittags ruhen sie, danach steht erneut die Futtersuche auf der Tagesordnung. Etwa 60 % des Tages verbringen Hühner mit scharren und picken nach Futter.

Ihr sensibler Schnabel dient hierbei als wichtiges Tastorgan. Die Futtersuche wird immer wieder von kurzen Pausen unterbrochen, in denen die Tiere ruhen. Zur Gefiederpflege nehmen Hühner nachmittags ein Sandbad. Dabei werden die Federn von Schmutz und Parasiten gereinigt. Mit Beginn der Dämmerung suchen sie sich einen erhöhten Platz zum Schlafen. Hühner leben in Gruppen von mehreren Hennen und einem Hahn zusammen und besitzen eine feste Rangordnung. Die Tiere kennen sich und sind in der Lage, sich gegenseitig wieder zu erkennen. Die Lebenserwartung kann bei Hühnern bis zu 10 Jahren betragen.

Ihre natürlichen Verhaltensweisen können die Tiere in der Käfighaltung nicht ausleben. Das Leben der Legehennen in der industrialisierten Haltung beginnt im Brutschrank. Hier werden die befruchteten Eier ausgebrütet. Kurz nach der Geburt werden die männlichen Küken aussortiert und von rotierenden Messern getötet, da sie nicht schnell genug Fleisch ansetzen und ihre Aufzucht somit unrentabel ist.

40 Millionen Eintagsküken werden so jährlich innerhalb der EU getötet. Für den bmt ist diese Massentötung ein Skandal! Es existiert kein ,,vernünftiger" Grund für die Tötung der Eintagsküken. Die Tiere werden für ein unternehmerisches Konzept geopfert, das von 50 % ,,Tierabfall" ausgeht. Hier werden Mitgeschöpfe aus Gewinnsucht zu Abfall degradiert.

Die weiblichen Tiere kommen in Aufzuchtbetriebe. Hier wird ihnen in den ersten Lebenstagen bei vollem Bewusstsein mit einem heißen Messer der Schnabel gekürzt, um Federpicken und Kannibalismus zu verhindern. Wenn die Tiere 20 -22 Wochen alt sind, werden sie in die Käfige gesperrt. Ein solcher Käfig misst 50 X 50 cm und hat vorn eine Höhe von 40 cm, hinten 35 cm. Einer Legehenne stehen hier 550 qcm Fläche zur Verfügung. Die Tiere stehen auf einem schrägen Drahtgitterboden, damit die Eier auf ein Förderband rollen können. Es gibt keine Sitzstangen, keine Einstreu und keine Nester bzw. Nistmaterial. Teilweise ist es den Hennen nicht einmal möglich aufrecht zu stehen.

Sandbaden, Picken, Scharren, Flattern, Laufen oder Fliegen sind unter diesen Haltungsbedingungen unmöglich. Bedingt durch die Enge, können die Tiere sich nicht ausweichen und sind nicht in der Lage eine Rangordnung aufzubauen. Die Tiere leiden unter Stress. Federpicken und Kannibalismus sind die Folge.

Zu Recht hat das Bundesverfassungsgericht 1999 entschieden, dass die herkömmliche Käfighaltung nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Das Gericht stellte in seinem Urteil fest, dass Grundbedürfnisse wie Fressen, Ruhen, Scharren und Sandbaden gewährleistet sein müssen.

Im März 2002 trat die neue deutsche Legehennenhaltungsverordnung (Erste Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung) in Kraft, nach der die Käfighaltung ab 2007 verboten gewesen wäre. Deutschland ist hier sogar über die Mindestanforderungen der EU-Richtlinie 1999/74/EG hinausgegangen und hat auch die Einführung der ausgestalteten Käfige untersagt. Ein Riesenerfolg für den Tierschutz! Erlaubt waren nach dieser Verordnung nur noch Haltungssysteme, die eine Fläche von mindestens 200 cm mal 150 cm sowie eine Höhe von mindestens 200 cm aufwiesen. Die Haltungseinrichtungen mussten so ausgestattet sein, dass alle Legehennen artgemäß fressen, trinken, ruhen, staubbaden sowie zur Eiablage einen gesonderten Bereich (Nest), dessen Bodenoberfläche nicht aus Drahtgitter besteht, hätten aufsuchen können. Die Haltung von Legehennen wäre nach dieser Verordnung künftig nur in der Freiland- und Bodenhaltung möglich gewesen. Leider hat der Bundesrat am 7. April die wichtigsten Vorschriften der Legehennenhaltungsverordnung aufgehoben. Die tierquälerische Käfighaltung von Legehennen ist für weitere 2 bzw. 3 Jahre erlaubt und der tierschutzwidrige ausgestaltete Käfig wird nun doch eingeführt. Der ausgestaltete Käfig unterscheidet sich jedoch kaum von der herkömmlichen Käfighaltung. Dieses System bietet pro Henne eine Fläche von 800 qcm. Das bedeutet im Vergleich zum konventionellen Käfig einen Flächenzuwachs in der Größe einer Postkarte! Ausgestaltete Käfige sind nicht tiergerecht. Sie ermöglichen kein verhaltensgerechtes Scharren, Picken oder Sandbaden. Auch die geschützte Eiablage und ein Aufflattern sind in diesem System unmöglich. Damit verstößt dieses Haltungssystem in eklatanter Weise gegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1999 und gegen das Staatsziel Tierschutz. Die altbekannten Tierschutzprobleme bleiben weiterbestehen, da sie systemimmanent sind. Der bmt lehnt daher die Einführung des ausgestalteten Käfigs weiterhin entschieden ab. Das Käfigverbot muss bestehen bleiben. Ob ausgestalteter Käfig oder konventioneller Käfig - Käfig bleibt Käfig!

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